Maria Rafings

Diese Seite widmet sich der Geschichte unserer früher prächtigen Wallfahrtskirche. Sie ist als Informationssammlung zur Schautafel am Beobachtungsplatzl in Rafings gedacht und wird als solches regelmäßig aktualisiert und erweitert. Wir freuen uns auch über deinen Beitrag – egal ob mit Geschichten oder Bildern.

Weisst du zufällig wer das auf dem Foto ist?

1454
Einst ritten zwei Waidhofner Bürger zum Pfarrer nach Windigsteig mit dem An-suchen, droben am Berg an der Stelle des Bildbaumes eine Kapelle bauen zu dürfen. Die Bitte wurde gewährt, waren es doch raue Zeiten im Waldviertel, in denen sich die Menschen Hilfe von der Mutter Gottes erhofften. Kampf-handlungen, Plünderungen und Brand-schatzungen machten auch vor Rafings nicht Halt und die Kapelle fiel diesem dunklen Treiben zum Opfer. Ein kleines Kirchlein wurde an der Stelle wieder aufgebaut. Pilger kamen aus Nah und Fern und brachten Kerzen, Wachs, Flachs und Geld als Opfergaben.

1500
Gegen Ende des Mittelalters kam das berühmte Gnadenbild „Maria mit den sieben Schwertern“ in unser Kirchlein. Die gläubigen Menschen rutschten auf Knien und stiegen betend die 15 Stufen hinauf zum Altar der neugegründeten Bruderschaft Mariens. Das blieb auch im Erzbistum Passau und im fernen Rom nicht unbemerkt, sodass immer mehr Ablässe zur Vergebung der Sünden gewährt wurden. Auf dem Platz vor der Kirche herrschte reges Treiben. Neben Pilgerzeichen gab es Semmeln, Bier, Wein und andere Köstlichkeiten an den Ständen zu kaufen. Die Zahl der Pilgernden stieg rasch an.

1560
Dunkle Zeiten brachen über Maria Rafings herein. Etwa 90 Jahre lang versuchten die Herrn vom Schloss Meires die Kirche in ihren Besitz zu bringen. Die Pilger standen vor verschlossenen Türen und mussten ihre Opfergaben mit Hilfe einer langen Stange durch ein Loch hoch oben in der Kirchentüre werfen. Sogar eine Kegelbahn sollte die Wallfahrt stören. Nachdem schwedische Soldaten die Menschen in Angst und Schrecken versetzten, wurde solch gefürchtete Gestalt an die Türe des Wirtshauses gegenüber des Kircheneingangs gemalt. Beim Anblick des Feindbildes war kaum mehr an Andacht zu denken.

1670
Nachdem der Streit endlich beigelegt war, lebte die Wallfahrt nach Rafings wieder auf. Sogar aus Böhmen und Mähren (heute Tschechien) wanderten Gläubige in unser Dorf und bald wurde die Kirche zu klein. Das Kirchlein wurde zu einer prächtigen Wallfahrtskirche ausgebaut. Schon von Weitem konnte man die beiden Kirchturmspitzen erkennen. Rot leuchtete das Dach in der Sonne und die großen bunten Fenster schillerten in allen Farben. Unvorstellbare 35.000 Pilger beteten jährlich vor dem Gnadenbild, ehrten die Heiligen und entzündeten Kerzen an den reich verzierten Altären.

1792
Hier stand einst der Richter zu Rafings, Philipp Schuehöcker und konnte es kaum glauben. Kein ewiges Licht flackert mehr durch die großen bunten Fenster, keine Glocken läuten mehr zum Gebet, keine Orgelmusik klingt mehr vom Berg herüber. Zugesperrt, entweiht und dem Verfall preisgeben. Seine letzte Hoffnung war ein Bittschreiben, das er dem Kaiser geschickt hat. Alle Ortschaften der Umgebung haben ihre Siegel darunter gesetzt. Vergebens. Joseph II. lies die Kirche als Baumaterial für Häuser in der Gemeinde abtragen. Und so bleibt uns heute noch die weithin sichtbare Ruine – und viele Geschichten.